Beispielsfälle Abwehr

Diebische Elstern

Dem Geschäftsführer eines Second-Hand-Bekleidungsgeschäfts fielen unerklärliche Fehlmengen auf. Etwa gleichzeitig legten sich drei Mitarbeiterinnen neue VW Beetle zu.

Eine Observation ergab, dass sie jeden 3. Donnerstag abends, wenn der Geschäftsführer schon nach Hause gegangen war, das Geschäft aber noch länger geöffnet hatte, blaue Mülltüten voller Oberbekleidung bis unter das Dach in ihre Beetle stopften und über eigene eBay-Shops verkauften.

Am nächsten 3. Donnerstag nahm ich mit den Kanzleiermittler die drei auf frischer Tat fest.

Vor die Wahl zwischen Polizei (Anzeige, Inhaftierung) und Kooperation gestellt, entschieden sich zwei sofort für Kooperation. Die dritte benötigte intensivere Bearbeitung. Schließlich unterzeichneten alle drei Eigenkündigungen ihrer Arbeitsverträge, Schuldanerkenntnisse über insgesamt 90.000 € und Geständnisse. Dafür verzichtete mein Mandant auf Strafanzeigen.

Der gelbe Lamborghini Urus

5 Männer aus Mali wollten in Bielefeld einen gebrauchten, gelben Lamborghini Urus (SUV) kaufen. Sie hatten das Angebot für 230.000 € auf einem Internet-Portal entdeckt. Sie überwiesen diesen Betrag von ihrer afrikanischen Bank auf die Sparkasse B. Nur bekamen sie das Fahrzeug nie. Es existierte wohl nur auf dem Foto.

Der Emissär der Mali-Männer wurde bei einem Inkasso-Besuch in B. von den Verkäufern verprügelt. Er rief die Polizei. Die wollte nur eine Anzeige wegen Körperverletzung aufnehmen, nicht aber wegen des viel schwerwiegenderen Betrugsdelikts. Über Vermittlung des Präsidenten einer ausländischen Anwaltskammer, der von meinen investigativen Erfolgen gehört hatte, kamen die Mali-Männer zu mir.

Unsere Ermittlungen deckten organisierte Verbrecherkreise auf, die mit dieser Masche schon zahlreiche andere geschädigt hatten. Auf unsere Ermittlungen hin begann die Polizei jetzt mit einem Ermittlungsverfahren. Demnächst steht Hauptverhandlung vor dem Strafgericht an.

Mörderische Ausgründung

Der Chef eines inhabergeführten Produktionsunternehmens (Nische) war einige Monate mit Burn-Out ausgefallen. Zwei führende Mitarbeiter wollten die Gelegenheit nutzen, das Unternehmen zu übernehmen. Sie holten den untreuen Steuerberater mit ins Boot (der Fall spielte tatsächlich an der Küste). Als der Chef wider erwarten wieder gesund wurde und zurückkehrte, löste einer der beiden Mitarbeiter an dessen Sportwagen eine Mutter an der Bremsleitung, so dass die Bremsflüssigkeit in geringen Mengen herausgedrückt wurde. Glücklicherweise bemerkte der Chef das eigenartige Bremsverhalten.

Wir klärten zunächst die Bremsmanipulation durch einen Gutachter auf und konnten ein technisches Versagen ausschließen.

Unsere weiteren Ermittlungen ergaben einen Konstrukteur von Sondermaschinen, den die beiden Mitarbeiter für den Nachbau der zentralen Produktionsmaschine, des Geschäftsgeheimnisses, des "golden nugget", angeheurt hatten. Nachdem ich ihm die Hintergründe erläutert hatte, legte er ein Geständnis ab.

Die Mitarbeiter wurden entlassen und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Die Bremsmanipulation konnte man jedoch keinem einzelnen Täter eindeutig zuordnen, den kriminellen Ausgründungsversuch schon.